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Bissiges Gras (2016)

Bissiges Gras. Kindroman, Achter Verlag 2016

Wie ich geschrieben hätte, wenn ich als Kind hätte schreiben können.

Am 24. Juni hatte ich einen Stand auf dem "Kunstmarkt der Generationen" in Berlin-Steglitz, zusammen mit Maria Herrlich.

Kunstmarkt der Generationen

"Musik in Mauthausen" (Lyrik) erschien in der Anthologie Die süße Jagd nach Bitternissen, hrsg. von Stefan Hölscher u.a., im Geest-Verlag, Vechta, März 2017.

Anthologie 'Die süße Jagd nach Bitternissen' (2017)

Februar 2017: Auf Planet Lyrik wird das Poesiealbum 319 vorgestellt. Planet Lyrik

Rezension zu Bissiges Gras:

Pia Soldan
Ich bin der Spieß

[Erschienen im Dezember 2016 in Am Erker Nr. 72, Münster]

Was Wahrheit ist, daran beißen sich Erkenntnistheoretiker seit Jahrhunderten die Zähne aus. Gerade deshalb sprechen Kinder so wahrhaftig, weil sie ihre ganz eigene Wahrheit nicht zu zerkauen versuchen, sondern sie einfach ausspucken. Ungefiltert spritzt sie einem ins Gesicht und läuft warm und klebrig hinunter. Und manchmal brennt sie eben auch ein bisschen auf der Haut, wenn, zum Beispiel, die kleine Tini betet, die Brücke möge morgen auch noch in Flammen stehen, damit sie sie besichtigen kann
Es sind widerständige Passagen wie diese, die Frederike Freis Bissiges Gras so virtuos erscheinen lassen. Sparsam eingestreut in den Text stoßen diese kleinen Sätze auf, zwischen all der Unschuld und dem Humor, der aus der Kinderperspektive erwächst, die wohl unumgänglich ist für einen ‚Kindroman‘.
Von Frederike Frei erdacht, soll dieses neue Genre zeigen, „wie ich als Kind hätte schreiben mögen, wenn ich als Kind hätte schreiben können“. Trotzdem kann es sich hier kaum nur um kindliche Berichte handeln. Hochliterarisch hat Frei Prosaminiaturen aneinandermontiert, die sich gegenseitig bedingen, und genau das ausgelassen, was nicht gesagt werden darf, weil die Pointe schon erreicht ist. „Wenn es draußen gegen die Fensterläden prasselt und stürmt, ist das überhaupt mein Allerschönstes, dann bin ich drinnen draußen“ und damit Ende der Miniatur. Auch durch die Perspektive des kleinen Mädchens gewinnt dieser ‚Kindroman‘ an wirkungsvollen Auslassungen. Wie zu erwarten, kann Tini nicht nachvollziehen, was der Mann, der sich beim Spielen „ganz eng neben mich setzte auf den Bordstein und mir heiser ins Ohr flüsterte, ich soll mir gegenüber mal den Streifen angucken von Ankes Unterbüx zwischen ihren Beinen“, an etwas so Alltäglichem wie der Unterwäsche der Freundin so interessant finden könnte. Doch genau das macht die Szene wirkungsvoll. Bräche die Protagonistin in Entsetzen aus, wäre die Wirkung des Dialogs nur behauptet. Durch die kindliche Perspektive wird sie dagegen tatsächlich erzielt; und gesteigert durch Freis Wortwahl, die diese Perspektive (fast) nie verlässt. „Na und?“, lässt Frei Tini ihren Gesprächspartner fragen, und gerade diese Einfachheit gibt der Szene ihren absurden Humor.
Besonders witzig, und das auf einer viel einfacheren Ebene, wirken aber die Verben und Adjektive dieses Textes. Tini „witscht“ in die Besenkammer, „umärmelt“ ihre Freundin und „schnökert“ nicht, „weil das dann nicht gildet“. Was „pudelig“ ist, muss geordnet werden, und Schwester Elke ist „bedröbbelt“, weil die Äpfel „mulsch“ geworden sind. Irgendwo in der Mitte des Textes, wenn der erste Teil schon zu Ende ist, der in „Rotenburg/ Wümme“ spielt, und Tinis Familie bereits nach „Bonn am Rhein“ gezogen ist, wird diese Sprache auch ein bisschen anstrengend, zumal inhaltlich alles in bester Ordnung ist und es vor allem um Bälle, Geburtstage und Waschmaschinen geht.
Aber das geht bald vorbei, denn: „Ich bin der Spieß, alles dreht sich um mich. Die anderen johlen und klatschen und weiden sich schön dran, wie ich die Puppenmutti mit ihrer rosanen Schleife unterkrieg.“ Ein bisschen erschrocken ist man, war das doch bisher ein so frech sympathisches Kind, das da jetzt ein Mädchen verprügelt und es gerne tut. „Und dann bin ich umgefallen“. Mit einem gutartigen Hirntumor kommt Tini ins Krankenhaus. Nach längerer Regenerationsphase, während derer auch die Mutter erkrankt, wird auch diese „auf die Trage geschnallt“ und „möchte am liebsten sterben“. Als Tini nach einem Besuch bei der Mutter in der Kur „nur noch mein geblümtes Streifenkleid als Schönes“ hat, wird auch das Pathos allmählich ein bisschen zu viel. Aber auch das fängt Frei schnell wieder auf, diesmal mit „Apfelsaft und Zwetschgenkuchen mit Wespen drauf“. Denn wichtig ist in diesem Text, was genau jetzt passiert, was genau auf dieser Seite steht, die gerade aufgeschlagen ist, genau in dieser Zeile, genau in diesem Wort. Denn hier erzählt ein Kind.

Dezember 2016: Die Kurzprosastücke "Der 1. Ball" und "Mutti im Sarg" erschienen in Am Erker Nr. 72 (Münster). Am Erker 72 (2016)
September 2016: Die Kurzgeschichte "Mondkalb, Sommer 1999" erschien in der Anthologie daheim & unterwegs, hrsg. von Astrid Vehstedt und Michael-André Werner im verlag für berlin-brandenburg. daheim & unterwegs
6. November 2015: Mein Gedicht "Hanglage" ist unter fixpoetry zu lesen, als Auszug aus dem Mitlesebuch 126.

fixpoetry

Juli 2015: Das Poesiealbum 319 aus dem Märkischen Verlag ist erschienen. Poesiealbum 319

März 2015: Das Mitlesebuch 126 mit meinen Kolumnengedichten und den Grafiken von Judith Gaida ist im Aphaia-Verlag erschienen: 24 Seiten, fadengeheftet und von mir und Judith Gaida signiert, in der exklusiven Auflage von fünfzig Exemplaren.

Es wurde am 24. März in der Lettrétage, dem Literaturhaus in Berlin-Kreuzberg, vorgestellt. Musikalische Begleitung: Janni Struzyk auf der Tuba. Dazu gab es auch ein kurzes Interview mit mir.

Mitlesebuch 126

22. März 2015: mitgeschnittenes Privatvideo "Text & Textil" - die Modenschau im Bonner Frauenmuseum zu den Papierkleidern (YouTube-Kurzlink: https://youtu.be/0sE_Eggs_zk) im Rahmen der Messe "femme 5"

Juni 2015: In Am Erker 69 (Münster) erschien der Kurzprosatext "Winterfeldzug".

Am Erker 69

24. Januar 2015: Am 70. Geburtstag: Performance von unsterbl.ich im Theater Coupé, Hohenzollerndamm 177 in 10713 Berlin.

Grafik: Vergrößern durch Anklicken, Download als PDF hier.

unsterbl.ich am 24.1.2015

Mai 2014: Ich bin gegen "Nachhaltigkeit" - warum? Lesen Sie selbst (zwei Seiten, PDF). Nachhaltigkeit?

Herbst 2013: Das Interview von Ulrike Schmidt mit mir über die geplante Lesung in der Berliner Zen-Shiatsu-Schule ist jetzt online!

Zen Shiatsu

25.8.2013, NDR Info Rundfunk: "Philosophinnen im Gartenbeet". Das Interview und die Lesung aus Blumengedichten sind hier zu hören - Sie können auch die MP3-Datei herunterladen. Redakteurin: Ursula Storost.

NDR Info

September 2012: Im Hildesheimer Lyrik-Wettbewerb bin ich mit dem Gedicht "Blume des Jahres 2012" eine der Hauptpreisträgerinnen. Hier das PDF des Veranstalters dazu - und hier mein Gedicht zum Herunterladen (auch als PDF). Forum Literaturbüro

Seit 2010 sind einige Videos von einer Lesung im Gattas auf YouTube zu sehen:

Videoproduktion: glamour-video.de

YouTube

Meine Lesung aus dem Lesikon der visuellen Kommunikation von Juli Gudehus gibt es auch hier zu sehen:

up!