Aberglück

Lyrikband, Edition Bärenklau, Oberkrämer, August 2018.
Band 1 der Roten Reihe Lyrik, hrsg. und mit einem Vorwort von Rolf Stolz. Broschiert, 133 Seiten, ISBN 9783752887921, Druck von Books on Demand.

Klappentext: Gedichte über Menschen, Blumen, Landschaften: Ich halte das fest, was ich loswerden will, und werde das los, was ich festhalten will, bleibe mir mit meiner Lyrik möglichst am Leibe, schreibe über das Wenigste, was ich weiß, klammere mich an das kleinste gemeinsame Vielfache meiner Erfahrung, finde mich eher in Nebensätzen wieder als in Hauptsätzen, im Detail statt im Ganzen. Vom Zaunkönig in Mauthausen möchte ich erzählen, vom abgetakelten Pfirsichkern, von der Avocado auf dem Küchentisch. Mich lockt die Wucht des Nichtstuns und die Würde des Nichtssagens. Was gibt es Schöneres, als nichts sagen zu müssen.

Pressetext: Dem Leser springt die außergewöhnliche Vielfältigkeit der Gedichte ins Auge: Vom Dreizeiler und einem Gedicht aus 8 Worten bis zum erzählenden Langgedicht, vom erotischen Appell bis zur Gesellschaftssatire, von der Feier der Natur bis zur nüchternen Bilanz von Tagesereignissen spannt sich der Bogen. Vier Zeilen reichen der Poetin, um einen unüberbrückbaren Zwiespalt zwischen zwei Menschen zu umreißen. Für die Widersprüchlichkeit und die Antagonismen selbst der gelingenden Liebesbeziehungen findet sie großartige Bilder.

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Aberglück (2018)

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Rezension im RBB Kulturradio, 20.11.2018, von Salli Sallmann. Aus dem Gespräch zwischen dem Moderator und dem Literaturredakteur. 

Moderator: Frederike Freis neuen Lyrikband wollen wir Ihnen jetzt vorstellen, ein Band mit wunderschönem Titel: Aberglück.

Salli Sallmann: Also, Frederike Frei schreibt Gedichte, die mit verschiedenen Elementen arbeiten, mit Sinnsprüchen, mit Wortspielen, auch mit Witzen, und diese Bestandteile, die vermischt sie zu einer unnachahmlichen Melange. Eine Sprache, die von lyrischer Lust fast überquillt und die dennoch nicht verquast und unverständlich wirkt. Ihre Sprache zeigt sich ausgesprochen kritisch gegenüber den Machenschaften und Gewohnheiten allzu artifizieller Literaturproduzenten 'Wenn man sich erstmal häuslich eingerichtet hat in seiner Kunst, ist es keine mehr.'

Frederike Frei ist vielleicht keine bekannte Lyrikerin, aber sie ist eine gute Lyrikerin, und sie hat hie und da einen Preis bekommen, erklärte sich irgendwann zur sogenannten 'Bundesdichterin von eigenen Gnaden', und sie kennt, glaube ich, alle Höhen und Tiefen des Künstler-, des Schriftstellerdaseins, und sie hat auch sicher längst das Frederikefrei-Patent für kunstvoll ungekünstelte Lyrik angemeldet. 

'Beeindrückendes'

'Meine Augen sind nicht sonderlich geschnitten / Wimpern sind zwar da / es fehlt die hohe Stirn / Haare zu dünn / Hüften zu breit / zu kurz, zu klein / das Zentrum der Welt / was sonst?' Und der Schreibstift, schreibt Frederike Frei, sei ihr 'sechster Finger'

Moderator: Also, Humor scheint sie auf jeden Fall zu haben.

Sallmann: Unbedingt.

Frederike Freis Gedichte sind eigentlich das Gegenteil von hochgestochen und Kunstsprache. Sie steht gegenüber der eigenen Person in einer kritisch-ironischen Distanz, und sie benutzt in ihren Versen so etwas wie artistische Neologismen, also mit neuer Bedeutung verwendete Worte innerhalb einer Sprachgruppe. Sie benutzt etwa Worte wie 'Immermörder', 'Teletropf', 'spatzenwach', und dann mischt sie diese eigenen Wortschöpfungen mit Umgangssprache, sie erdet sie sozusagen mit Redewendungen.

RBB Kulturradio

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